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Ausfall der Hauptenergie

Trotz aller Freude über das neue Mitglied meiner Computer-Oldtimer-Familie war ich doch etwas enttäuscht, als sich nach dem erstmaligen Einschalten des Maschinchens rein gar nichts tat. Aber heutzutage gibt es ja keine Probleme mehr, nur noch Herausforderungen -- also frisch ans Werk!

So waren schnell zwei durchgebrannte Sicherungen (F101 und F102) im Hochspannungsbereich des Netzteils ausfindig gemacht, deren Austausch durch neue Sicherungen frisch aus dem Baumarkt den Rechner zumindest so lange in einen funktionsfähigen Zustand versetzten, dass seine prinzipielle Funktionstüchtigkeit festgestellt werden konnte. Bis es nach wenigen Sekunden eine Serie von Knallgeräuschen gab, begleitet von reichlich aus dem Gehäuse quellendem, stinkenden Rauch.

Als Übeltäter für dieses unschönen Phänomen konnten gleich zwei explodierte Kondensatoren (C101 und C102) ausgemacht werden, wobei man den Bauteilen nach über 20 Jahren Untätigkeit wohl kaum vorwerfen kann, dass sie sich der plötzlichen Belastung nicht mehr gewachsen fühlten und lieber den Geist aufgaben.

 

Eigentlich ganz hübsch, die explodierten Kondensatoren. (Im Vordergrund übrigens die beiden ausgetauschten Sicherungen.)
Aber auch das Himbeerrot der Ersatzteile hat seinen Reiz -- ganz davon abgesehen, dass der Sharp jetzt wieder ordentlich Saft hat.
We've got a heartbeat!

Bei der Beschaffung passender Ersatzteile erwies sich dann übrigens die Sharp-MZ-Fanseite sharpmz.org u. a. ob der zum Download dargebotenen Service- und Nutzermanuals als extrem hilfreich. Und tatsächlich: Nach Einbau neuer Elektronenspeicherchen kam es (bisher) zu keiner weiteren Entwicklung übler Gerüche.

Es sei angemerkt, dass sich später noch eine weitere Sicherung verabschiedet hat, nämlich die F301.

 

Im Augiasstall...

Nagespuren des Zahns der Zeit.

...wurden das ausgediente Gerät vielleicht nicht gerade gelagert, aber immerhin betreiben die Vorbesitzer einen Bauernhof, und das Motherboard sah auch so aus, als habe es die eine oder andere Ladung Jauche, Gülle oder ein ähnlich ätzendes Fluid näher kennengelernt. Worauf ich allerdings erst in seinem ganzen Ausmaß aufmerksam wurde, als der Sharp plötzlich mir-nichts-dir-nichts eine Art Garbled-Screen-Symptom aufwies -- allerdings noch hübscher als beim PET, da mit wechselnden Mustern. Ein genauer Blick auf die Platine offenbarte dann einen flusigen Ausschlag auf dem Board sowie rostige Ausblühungen an den Pins zahlreicher ICs, die mutmaßlich fluktuierende Kurzschlussströme verursachten, die letztlich zum sonderbaren Verhalten des Geräts geführt haben dürften.

Filz...
...und Rost.
Neu? Nein, mit Perwoll gewaschen!

Abhilfe schaffte eine 35°-Schonwäsche im Geschirrspüler (mit ein paar Tropfen Handspülmittel statt Geschirrspülpulver) sowie einer Nachbearbeitung der hartnäckigsten Stellen mit etwas Seifenlauge und einer Zahnbürste. Die Trocknung erfolge über Nacht auf einem Heizkörper sowie jeweils für ein paar Stunden im Umluftofen (50°, bei geöffneter Ofentür) sowie vor einem Heizlüfter.

Auch wenn sich bei der ganzen Prozedur an einigen Stellen der Platinen-Schutzlack gelöst hat und blanke Leiterbahnen zum Vorschein kamen, macht das Gerät seit der Reinigung keine wilden Bildschirm-Extravaganzen mehr.

 

Das Ende der Ewigkeit

Als letztes Problem, äh, sorry: Herausforderung verblieb die Tatsache, dass ca. 1/3 der Tasten des Keyboards bei Betätigung keinen Effekt zeitigten. Leider hatte ich zunächst keine Idee, wie die Tastatur zwecks Reinigung zu öffnen sei -- sie schien für die Ewigkeit gebaut zu sein, mit geschlossenen Schäften um jede Taste, die die Tastaturplatine fest mit dem Tastaturblech verbinden.

Wegen der "Krägen" lassen sich die Tasten nicht nach unten herausziehen.
Auch von der Seite zeigt sich oberhalb des Tastenblechs keine Möglichkeit zur Demontage.
Graue Kunststoff-Widerhaken scheinen sowohl die Tastenschäfte von unten am Blech als auch an einem schwarzen Innenteil festzuhalten.
Die Tastenkonstruktionen sind fest mit der Tastaturplatine verlötet.
Das Tastenblech mit den Tasten sowie die Tastaturplatine nach dem Auseinanderlöten.

Um um's Öffnen herumzukommen versuchte ich es zunächst wieder mit dem Spülmaschinentrick -- der schien hier allerdings zunächst keine Besserung zu bringen, ging nach Schonwäsche und ausgiebiger Trocknung doch nur noch etwa die Hälfte der Tasten. Da half -- wie im Forum des Vereins zum Erhalt klassischer Computer angedroht -- nur das Auslöten aller 73 Tasten. Nach einer erneuten Wäsche ohne die störende Platine war die Anzahl der dysfunktionalen Tasten auf rund ein Dutzend geschrumpft, und die Schäfte der verbliebenen Bösewichte ließen sich jetzt auch problemlos aus den Öffnungen im Blech herausklicken.

 

Das [D] in Gänze...
...und als Explosionszeichnung.

Auch die einzelnen defekten Tasten ließen sich nun mit etwas Geduld (meistens zerstörungsfrei) zerlegen. Der dabei zutage tretende innere Aufbau der Tasten lässt vermuten, dass die IngenierurInnen bei Sharp damals entweder völlig verrückt oder von ungeahnt-hintergründiger Genialität waren.

 

Der Tastenstift drückt auf die Gabeln des Y-förmigen Metallplättchens, welches auf die schwarze Kunststofflasche drückt...
...welche das Kupferblättchen schließlich mit dem Messingplättchen in Berührung bringt.
Oops! Eigentlich wird der Plättchenstapel durch Kunststoffnieten zusammengehalten -- glücklicherweise war die Taste hiernach trotzdem noch brauchbar...
Eine Drahtbrücke verbindet den einen Pin des [Y] mit dem Rest der Welt; ebenso wurde mit [BREAK/CTRL] verfahren.

Nach verschiedenen Versuchen, die diverse Kombinationen von Drücken, Kratzen und Bürsten beinhalteten, erwies sich die Reinigung der Kontaktflächen mittels mittels eines "ausgedünnten" Wattestäbchens aufgebrachten 70%igen Isopropanols als einfache und doch effektive Methode, die zickigen Tasten zu reanimieren. Dies sollte ich jedoch leider erst nach dem zweiten Auslöten der gesamten Tastaturplatine herausbekommen -- beim ersten Versuch hat mir mein Durchgangsprüfer bei vielen Tasten einen Strich durch die Rechnung gemacht, indem er mir Kontaktfähigkeit vorgaukelte, wo der Tastenwiderstand wohl immer noch so hoch war, dass er das Potenzial an den entsprechenden Eingängen des für die Tastaturabfrage zuständigen 8255 (IC50) gegenüber den 10 kOhm von RA2 nicht auf L herabziehen konnte. Im zweiten Durchgang kam dann ein Ohmmeter zum Einsatz, um ausreichende Leitfähigkeit der gesäuberten Tasten zu verifizieren.

Am dritten Tage aber, als ich begann, die Tastaturplatine ob zweier immer noch nicht williger Tasten erneut abzulöten, fiel mir auf, dass sich bei den fraglichen Knöpfen bei vorherigen Auseinandernehmaktionen offenbar je ein Lötauge verabschiedet hatte, so dass auch der von mir aufgebrachte ordentliche Klecks Lötzinn keinen Kontakt zur anschließenden Leiterbahn zustande bringen konnte. Kleine Drahtbrücken zu benachbarten Lötstellen vermochten schließlich auch dieses Problem zu beheben.

Eine rein vegetative Existenz

Hurra, jetzt ist das gute, alte Maschinchen wieder bereit für neue Aufgaben! Allerdings hat der MZ-80A -- wie ein modernen PC -- außer einer Art BIOS (dem "Monitor") kein Betriebssystem im ROM, ja nicht mal den für die damalige Zeit üblichen BASIC-Interpreter. Aber die Jagd nach Software für diesen Oldtimer ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden.